Die 'unpolitische Generation'

Dark Fears

 

Love is gone, it fears like me

The hammer called reality,

Change has changed itself away,

Like me, it fears the coming day.

 

The rage in us burned down and died,

Fears replaced the flame inside,

Nobody really sees the danger 

Of this common lack of anger.

 

"Man hat ein bisschen Angst vor der 'unpolitischen Generation'", bemerkte unser Sozialkundelehrer letztens. Die unpolitische Generation, das sind wir. Also alle Schüler und Studenten der heutigen Zeit. Die Leute, die Bücher durch Filme, Games, Youtube und Social Networks ersetzt haben (worüber ich mich NICHT beschweren will!).

Natürlich kann das gar nicht stimmen. Wenn man mit meiner Klasse z.B. einen -wirklich bewegenden- Film über die schlechten Lebensumstände in Afrika anschaut, sehen die Reaktionen der Schüler in etwa so aus: "Haha, das Kind sieht behindert aus!" (Das Kind war extrem dünn und gerade dabei, wegen verschmutzten Trinkwassers an Cholera zu sterben). Oder: "Stell die Physik-Hausi in den Klassenchat, Maxmustermann*" (Die Aufgaben waren aber auch extrem schwer...)

Aber mal im Ernst, welchen Teenager kümmert schon Politik? Alles, was irgendwie ernst ist, scheint für die meisten Gift zu sein. Das ist natürlich sehr verallgemeinernd und es gibt viele bewundernswerte Ausnahmen. Wie zum Beispiel LeFloid. Der erfolgreiche Youtuber, der zwei mal die Woche die für Jugendliche interessantesten Nachrichten vorstellt, schafft es seit Jahren, seine Community unter fast jedem seiner Videos zu ernsten und niveauvollen, oder zumindest interessierten Diskussionen zu bewegen.

Aber der Großteil... "behindert"..."Du Opfer!"..."Alles Spasten!"..."Wer ist eigentlich unser Bundeskanzler?"..."Whats App spioniert doch niemanden aus!"..."Ich wähle die Partei ***. Meine Eltern sagen, die ist am Besten" ... klingt nicht wirklich so, als würde seine Zukunft ihn selbst irgendwas angehen.

Doch sind das wirklich nur die Jugendlichen? Auch sehr viele Erwachsene beweisen, wenn sie über politische Themen reden, erschreckendes Unwissen (Sogar ich kenne mich besser aus! Und ich sehe nicht mal fern oder sonst irgendwas!) und ausgeprägtes Desinteresse. Hier ist es noch nicht ganz so schlimm. Trotzdem folgen sie dem Ist-mir-doch-egal-Trend ihrer Nachkommen. Solange es sie nicht selbst betrifft, ist von Wir-sind-das-Volk meist nicht viel zu spüren.

Das geht schon seit Jahren so. Aber nun gibt es zum ersten Mal eine Studie darüber: Nur dreiviertel der Deutschen können sich an eine Bundestagssitzung in der letzten Zeit erinnern. Alle anderen schert es nicht, was da über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Mich hat ehrlich gesagt überrascht, wie viele das sind. 

Das Ergebnis ist trotzdem eindeutig: Politik ist in Deutschland out. In etwa dreißig Jahren dürfte gerade mal die Hälfte der Bevölkerung überhaupt noch wählen gehen. Und nur 50 Prozent davon werden auch darüber nachdenken, was, oder wen sie wählen. Schätzungsweise. Vorausgesetzt natürlich, es gibt dann überhaupt noch Politiker.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach: Eine andere Erziehung. Wenn Eltern ihren Kindern mehr Begeisterung für aktuelle Themen mit auf den Weg geben würden, hätten viele eine andere Einstellung zur Beteiligung an der Politik. Idealismus und Werte, nicht unbedingt konventionelle oder konservative, aber wenigstens irgendwelche Werte, müssen wieder mehr und früher weitergegeben werden. Eltern -und auch Lehrer- müssen mit ihren Kinder über solche Themen reden. Sie nach ihrer Meinung fragen. Soziales, politisches und ökologisches Bewusstsein stärken und Engagement fördern.

Aber vor allem müssen sie sich selbst wieder dafür interessieren.

 

*Name von der Redaktion geändert.

8.12.14 16:31

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